Kulturgut Spiel - Ein reise durchs Jammertal - Spiele Joker

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Kulturgut Spiel - Ein reise durchs Jammertal

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Im Tal der Tränen - Brettspiele als Kulturgut

Brettspiele sind ein Teil unserer Kultur. Das waren sie schon immer. Seit der Mensch neben der Nahrungsbeschaffung und dem Schlafen Zeit gefunden hat, spielt er. Dies ist die These von Johan Huizinga. Seinen Ausführungen ist einfach zu folgen und wenn man Tiere beobachtet, stellt man auch dort fest, dass diese gerne spielen. So balgen sich Hundewelpen oder Kätzchen schon wenige Tage nach der Geburt. Somit ist klar, Spielen gehört zur Kultur der Menschen seit deren bestehen. Dennoch kämpft die Brettspielszene damit, dass das Spiel nicht genügend als Kulturgut wahrgenommen wird. Schnell erfolgt der, von etwas Neid geprägte, Blick auf die Video- und Computerspiel-Branche. Diese hat, trotz ihrer kurzen Existenz, bereits eine viel grössere Aufmerksamkeit und erhält sogar Fördergelder vom Staat. Was also machen wir falsch? In der Diskussion sind die Schuldigen schnell gefunden: Die Politik setzt sich zu wenig ein. Die Jury Spiel des Jahres sollte ihre Mittel besser einsetzen oder sich persönlich mehr engagieren. Die Spielemesse in Essen sollte es doch schaffen, dass wir in den Medien eine grössere Präsenz finden. Irgendwer sollte es endlich mal schaffen, dass wir vom Image wegkommen, Spiele sind für Kinder. Wir wandeln durch das Jammertal und outen uns als schlechte Verlierer.

“Du hast so viele Spiele! Betreibst Du einen Kindergarten?“ so unser Image

Unser Hobby hat im Vergleich zu den meisten anderen Kulturgütern einen grossen Vorteil, welchen wir nicht zu schätzen wissen. Bereits Kinder sind offen und meist positiv gegenüber Spielen eingestellt. Wo die Oper und mit Kinderopern und Einblicken hinter der Kulisse um den Nachwuchs buhlen muss, findet man in jedem Kindergarten und jeder Schule ein Spiel. Museen machen Ausstellungen für Kinder und betreiben dafür einen sehr hohen Aufwand. Ob die Themen richtig gewählt wurden, wird in erster Linie an den Reaktionen der Kinder gemessen, nicht nur am Wert der vermittelten Informationen. Kommt ein Kind von der Schule heim und erzählt, dass es Uno oder Monopoly gespielt hat, rümpfen wir die Nase. Mag sein, dass es bessere Spiele gibt. Im Gegensatz zu uns ist das Kind jedoch meistens angetan vom Spiel.

Wie kommen wir aber weg vom Image, dass Spiele etwas für Kinder sind? Das schaffen wir nicht. Spielen ist eben auch etwas für Kinder. Nicht nur, aber doch ganz besonders. Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Ziel muss es sein, aufzuzeigen, dass Brettspiele etwas für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch die Senioren sind.

Und was machen die grossen Player wie die Jury und die Messe?

Die Jury Spiel des Jahres setzt jedes Jahr einen Schwerpunkt. Aktuell werden die Bibliotheken gefördert, damit auch diese “gute“ Spiele verleihen. Mit diesen Aktionen erreicht die Jury, dass ein breiteres Publikum angesprochen wird und dieses ans Spielen herangeführt werden kann. Der Merz Verlag hatte letztes Jahr auch Gäste aus dem Amt für Kultur an die Messe eingeladen. Ausserdem bietet sie uns, zugegebenermassen auch mit wirtschaftlichen Interessen, eine unglaubliche Plattform, an welcher Menschen verschiedenster Länder sich treffen können, spielen und sich über das Spielen austauschen. Meines Erachtens liegt die Hauptaufgabe, dass das Spiel als Kulturgut wahrgenommen wird, nicht bei diesen Organisationen. Die Erwartung und die Aufforderung, dass diese mehr dafür machen sollen, finde ich nicht angemessen sondern frech. Sie setzen sich bereits sehr stark für uns und unsere Anliegen ein.
 

“Gamen ist eben cooler und die Branche macht auch mehr“

Der Vergleich mit den Video- und Computerspielen führt dazu, dass wir nur verlieren können. Im Spielerjargon sagen wir in diesem Fall, dass Spiel ist nicht “blanced“ oder gar “broken“, also unfair und somit kaputt! Die Mittel dieser beiden Branchen sind nicht die gleichen. Damit meine ich in erster Linie nicht die finanziellen Mittel, obschon auch hier ein Ungleichgewicht herrscht. Es geht um Analog versus Digital. Videospiele sind überall zugänglich. Regeln werden im Tutorial erklärt. Es gibt sie in allen Schwierigkeitsgraden. Sie finden auf den digitalen sozialen Plattformen statt. Fast jeder, auch ich, nutzt sie. Analog verliert in der heutigen Zeit gegen digital. Dennoch bin ich auch in diesem Punkt fast schon euphorisch. Der Markt an Brettspielen wächst. Gedrucktes Wort, sei es in Form von Zeitungen oder als Bücher, leidet und die Margen sinken. Im analogen Bereich sind wir ein Phänomen. Wir wachsen trotz der Digitalisierung. Weshalb? Es sind die persönlichen Begegnungen mit Menschen, nicht in erster Linie die besseren Spiele. Der Austausch während des Spielens und nach diesem. Deshalb liebe ich den Begriff Gesellschaftsspiel so sehr. Die Interaktion mit Menschen macht für die meisten das Spielen aus.

Wie werden Spiele also nun zum Kulturgut?

Tatsächlich sehe ich die Aufgabe für das Lobbying bei der Branche selbst, also den Verlagen. Wir können sie dabei unterstützen, indem wir als Community wahrgenommen werden. Wir können laut und präsent sein. Wir können unsere Emotionen beim Spielen oder in unseren Berichten weitertragen. Dies vermitteln wir aber nicht, wenn wir durch das Jammertal gehen mit gesenktem Kopf und eingezogenem Schwanz und alle wissen lassen, dass man nur zu uns so ungerecht ist! Kopf hoch, Brust raus, auch wenn es mal einen Rückschlag gibt und man merkt, dass wir als Szene nicht so ernst genommen werden. Schliesslich gilt, dass niemand Lust hat mit einem schlechten Verlierer ein weiteres Spiel zu spielen.
 
 
Nach dem Motto „frag nicht, was dein Hobby für dich tun kann, sondern was du für dein Hobby tun kannst“ drei konkrete Vorschläge:

 
  • Gestaltet öffentliche Spieleanlässe und zeigt den Leuten in direkten Begegnungen wieviel Spass man beim Spielen haben kann
  • Spielt eure Spiele und behandelt sie nicht wie Museumsstücke.
  • Spielt die richtigen Spiele mit den richtigen Gruppen. Hier hilft es, wenn man fragt, welche Spiele die Mitspieler schon gespielt haben und was ihnen besonders gefallen hat. Erkundigt euch auch, wieviel Zeit sie für ein Spiel aufwenden möchten und mit welcher Zielgruppe die Person sonst gewohnt ist zu spielen.

 
 
 
Unser Hobby ist ein Teil unserer Kultur. Wir können die Freude daran multiplizieren und so dafür sorgen, dass es auch mehr als das Kulturgut wahrgenommen wird. Die Veränderung muss von unten nach oben erfolgen. Deshalb viel Spass beim Spielen!

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