Wie ein Spiel entsteht - Spiele Joker

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Wie ein Spiel entsteht

Made in China
Made in China
Wie ein Brettspiel entsteht
1. Teil - Der Toys Report 2018
Medienbericht

Es ist kalt draussen. Hier im Zug ist es warm. Der Zug ist voll besetzt und das schon um 06 Uhr 25. Von der vorweihnachtlichen Zeit ist im Zug nicht viel zu spüren. Draussen wäre das anders. Die Häuser sind mit vielen, teilweise bunten Lichtern geschmückt und die ersten Weihnachtsbäume aufgestellt. All dies entgeht mir. Gerade habe ich einen Artikel im Tages-Anzeiger von Zürich entdeckt, der sich mit Spielzeug auseinander setzt. Negativ natürlich. Es ist der richtige Zeitpunkt, um das Weinachtsgeschäft negativ zu beeinflussen und dem Fachhandel den dringend benötigten Umsatz zu ruinieren. Das waren meine ersten Gefühle. Die Arbeitsbedingungen in China werden geschildert. Der Bericht erinnert an die vielen Berichte über die Textilverarbeitung in Indien oder Pakistan der letzten Jahre. Wie schlimm ist es wirklich, frage ich mich. Endlich an meinem Ziel angekommen, mache ich mich auf den Weg durch die kalte Morgenluft ins Geschäft. Auf dem Weg dahin beschliesse ich, dass ich dieser Geschichte etwas genauer nachgehen will, um mir selbst ein Bild zu machen.

In der Hochsaison machen die ArbeiterInnen mehr als 80 Überstunden pro Monat, obwohl das chinesische Arbeitsrecht vorschreibt, dass maximal 36 Überstunden pro Monat geleistet werden dürfen.
(Toys Report 2018)

Der Toys Report

Bereits auf dem Rückweg, wieder im Zug, finde ich den Stein des Anstosses, den Toys Report. Der Toys Report wird jährlich publiziert. Er wird getragen von Solidar Suisse, actionaid mit Hauptsitz in Südafrika und der christlichen Intitiative Romero aus Deutschland. Erstellt wird der Bericht von China Labor Watch, einer Organisation, welche den Hauptsitz in den USA hat. Diese pflegen Beziehungen zu über 500 geschulten Undercover Arbeiterinnen und Arbeitern. Sie werden verdeckt in Fabriken eingeschleust, um dort die Arbeitsumstände abzuklären. Aufgrund deren Berichte wird der Report erstellt. Die Abklärungen betreffen nicht nur Spielzeugfabriken sondern auch andere Bereiche, wie die Herstellung von Autos oder Handys.

Es gibt kein Sicherheitstraining: Nach Gesetz sind 24 Stunden vorgeschrieben, in denen neben dem sicheren Betrieb der Maschinen auch der Umgang mit allen verwendeten giftigen Stoffen erlernt werden sollte. Ohne die erforderliche Ausbildung erkennen die ArbeitnehmerInnen giftige Chemikalien nicht und können die notwendigen Schutzmassnahmen nicht anwenden.
(Toys Report 2018)
Die Probleme in der Spielzeugindustrie und deren Zertifikate

Es gibt diverse Zahlen im Netz, wieviel Prozent der Spielzeuge aus China stammen. Aufgrund meiner Recherchen gehe ich davon aus, dass der Prozentsatz bei ca. 80% liegen dürfte. Dies gilt wohl auch für Brettspiele. Das bekannteste Lable im Spielzeugbereich ist das ICTI Zertifikat.

Die Liste der Aktion fair spielt zeigt auf, welche Firmen ihre Spielzeuge wo produzieren lassen und welche Firmen ICTI zertifizierte Fabriken berücksichtigen. Eine gute Sache? Ja, aber mit grosser Vorsicht zu geniessen. Mehrere Faktoren machen es schwer, sich aufgrund der Liste einen Überblick zu verschaffen.

Faktor 1

Die Liste richtig zu lesen ist nicht einfach:

Nehmen wir zwei Beispiele:

Firma                                                                   Anteil Produktion in China            Zertifikate                   Transparenz


Die Produktion in China beläuft sich auf 97% und alle Betriebe sind ICTI zertifiziert. Super? Nein! Der kleine Stern und die Lupe sind das Problem. Die Firma Hasbo behauptet, dass dies so ist. Nachweise liegen der Werkstatt für Ökonomie nicht vor. Das Minus in der Lupe gibt auch an, dass Hasbro diesbezüglich keine Angaben liefert. Aus Sicht der Arbeitnehmer in China, müsste man also vom Kauf von Produkten von Hasbro abraten.

ein positives Beispiel sieht so aus

Firma                                                                   Anteil Produktion in China            Zertifikate                   Transparenz


Das Plus in der Lupe gibt an, dass der Betrieb die Nachweise vorlegt und transparent arbeitet. Dies macht er freiwillig und regelmässig.

Faktor 2

Das Lable ICTI beruht auf Freiwilligkeit. Die Produzenten in China versprechen, dass sie soziale Arbeitsplätze zu Verfügung stellen. Ravensburger, welches mir bei meinen Recherchen durchgehend sehr positiv aufgefallen ist, musste dies bei einem seiner Lieferanten selbst erleben. Im Toys Report erscheint Ravensburger, da ein beauftragter Produktionsbetrieb, welcher ICTI zertifiziert ist, sich nicht an die Versprechungen gehalten. Das Lable (ICTI) hat die Schwachstellen durch den Rapport 2017 bereits selbst erkannt. Die Regeln sollen nun angepasst werden und es soll auch Kontrollen geben. Seit dies angekündigt wurde, haben mehrere Produzenten das Lable verlassen.

Faktor 3

Was wo produziert wird, ist nur schwer zu kontrollieren. Viele Teile werden bei Kleinstzulieferern produziert und in der letzten Fabrik nur noch zusammengesetzt. Für die Zulieferbetriebe gibt es keine Kontrollen. Gerade diesbezüglich bin ich aufgrund der Recherchen sehr skeptisch, was die Arbeitsbedingungen angeht und welchen Einfluss wir darauf haben können. Da helfen auch Kontrollen und Labels nicht weiter. Tatsächlich liegt hier auch die Gefahr, dass Spielzeuge welche nicht unserem Standard entsprechen, auf den Markt kommen können. Schon etwas in Vergessenheit geraten ist da der Skandal von Mattel, welcher in den Jahren 2006 bis 2007 Spielzeug mit zu hohem Bleianteil aus dem Markt nehmen musste. Zudem wurde der Hersteller mit einer Busse von 2.3 Millionen Dollar bestraft (Die Zeit / 07.06.2009). Obwohl die Anwendung der Bleifarben in der Verantwortung der Hersteller in China lag, entschuldigte sich Mattel beim chinesichen Volk für den Imageschaden, welcher durch die Rückrufe entstanden ist. Dies, da eine Studie ergeben hatte, dass neben den Produktionsfehlern auch Mängel in den Entwürfen der Spielzeuge zu Rückrufen geführt hatten (Frankfurter Allgemeine / 21.09.2007). Hinter den Kulissen wurde gemunkelt, dass Mattel zu sehr von der Produktion in China abhängig war und deshalb die Schuld auf sich nehmen musste, damit die weitere Produktion nicht gefährdet wurde. Auf Forbes Newsweek / 27.09.2007 wurde diesbezüglich ein Artikel veröffentlicht, welcher zur Diskussion stellte, ob sich die Machtverhältnisse zwischen Auftraggebern und Herstellern geändert haben. Der Druck durch die Kunden, dass die Produkte immer verfügbar sind, ist so hoch, dass diese die Produktion nicht einfach verlegen oder kurzzeitig brach legen können. Da die Produzenten in China dies wahrnehmen, haben sie mehr Macht und können sich einen grösseren Spielraum erlauben. Natürlich sprechen wir hier über einen längst vergangenen Skandal. Im The Epoch Times / 19.03.2019 erschien ein Artikel über das Wiederverwenden medizinischen Plastikabfalls. Es handelt sich hierbei nicht um gewöhnlichen Plastik sondern zum Beispiel um benutzte Beutel für Blutransfusionen.

Die ArbeiterInnen wurden gezwungen Blankoverträge zu unterschreiben, die ihnen nicht erklärt wurden und sie erhielten keine Kopie des Vertrages
(Toys Report 2018)
Neues Lable

Die christliche Initaitive Romero hat aufgrund des neuen Toys Reports die grossen Brands der Spielzeugherstellung aufgerufen, an einem Runden Tisch über ein neues Label zu diskutieren. Ein solches Label würde ich selber sehr begrüssen, auch wenn man sich bewusst sein muss, dass es nicht alle Probleme auf einen Schlag löst. Wünschenswert wäre es, wenn Kontrollen in den Firmen durchgeführt werden und auch die Zulieferer einen Minimalstandart betreffend der Sozialleistungen und der Arbeitsplatzsicherheit gewähren könnten. Wichtig ist, dass gegenüber den Fabriken in China dies immer wieder thematisiert wird und die Sozialverträglichkeit von den Auftraggebern in Europa als Entscheidungsfaktor über die Aufträge wahrgenommen wird. Nur so wird sich etwas ändern.

Hier die Forderungen der christlichen Initiative Romero
Schlechte Lebensbedingungen: Die Fabrikunterkünfte beherbergen bis zu 8 ArbeiterInnen in einem Raum, und in den kargen Duschen fehlt meist das Warmwasser.
(Toys Report 2018)

Pressemeldungen zu den Arbeitsbedingungen in China und Bilder von China Laborwatch


China und seine rebellierende Arbeiterschaft

Seit Anfang Jahr erlebt China eine regelrechte Serie von Arbeiterprotesten. Auch die Selbstmordwelle beim weltgrössten Computerzulieferer Foxconn zeigt, wie schlecht es oftmals um die Arbeitsbedingungen und die Löhne steht. Monina Wong vom Internationalen Gewerkschaftsbund in Hongkong sieht auch westliche Investoren in der Pflicht.


Rare overtime protest by China tech workers goes viral. The protest is aimed at the industry’s “996” work culture, which refers to the 9 a.m. to 9 p.m. workday, six days a week.


Apple untersucht mögliche Ausbeutung von Berufsschülern
Nach Vorwürfen der Ausbeutung von Berufsschülern in einer Fabrik in China hat der US-Konzern eine Untersuchung eingeleitet. Dem Bericht, dass die jungen Menschen in dem Werk in Chongqing zur Herstellung der Apple Watch "Überstunden und Nachtschichten" ausgesetzt seien, werde dringend nachgegangen, sagte eine Sprecherin von Apple.

Es fehlt die erforderliche Schutzausrüstung für ArbeiterInnen, die beispielsweise mit giftigen Chemikalien in Berührung kommen oder in Bereichen mit hohem Lärmpegel und Staubbelastung arbeiten.
(Toys Report 2018)

Teil II - Was noch aussteht:

Es folgt ein Interview und Statements von Verlagen
Eine andere Sicht auf die Produktion in China
Welcher Einfluss hat das Verhalten des Kunden?
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